Verfasst am 31. 10. 2013, aktualisiert am 22. 11. 2016.

Problemkind Klammeraffe.

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Das At-Zeichen – auch »Klammeraffe«, »Affenohr« oder »Elefantenohr« genannt – ist im Grunde kein neues Zeichen, auch wenn es erst mit dem Aufkommen des Internets und E-Mail-Adressen in den 1990er-Jahren wieder an Bedeutung erlangte. Es war lange Zeit in Vergessenheit geraten und man vermutet, dass sich das Symbol aus einem à heraus entwickelte, bei dem der Akzent über die Jahrhunderte länger wurde und schließlich das Zeichen ganz umfasste.

Der genaue Ursprung ist allerdings unklar. Fest steht, dass das Zeichen schon von spanischen, portugiesischen und französischen Kaufleuten des 16. Jahrhunderts verwendet wurde und deshalb sicher noch wesentlich älter ist.

Das @ in einem historischen Dokument
Das @ in einem historischen Dokument des 14. Jahrhunderts
© 
Wikimedia

Vermutlich wegen seiner geringen Bedeutung wurde das Zeichen von Schriftschöpfern und Typografen in der Vergangenheit viel zu sehr vernachlässigt. Als in den 1990ern dann plötzlich E-Mail-Adressen relevant wurden, begann man viele Schriften auf die Schnelle mit einem At-Zeichen zu versehen, allerdings oftmals mit einer Art Standardzeichen mit leicht schrägem Duktus, durch den das At stets als kursiv erscheint. Dazu kommt, dass das Zeichen meist einen viel zu hohen Stand hat, und zwar mit dem Kreis auf aber dafür mit dem a deutlich über der Grundlinie (siehe Schriftbeispiele links). Der Stand muss deshalb angepasst werden, damit E-Mail-Adressen (oder eben alles andere mit @) keine optische Unterbrechung aufweisen und ein gleichmäßiges Satzbild entstehen kann.

Mögliche Entwicklung vom à zum @ © Wikimedia

Abbildung: Mögliche Entwicklung vom a zum @

Verschiedene Schriften und ihre At-Zeichen. Deutlich zu erkennen der oftmals zu hohe Stand. Konsequent gestaltete At-Zeichen sind grün markiert, eher inkonsequente rot.

Abbildung: Verschiedene Schriften und ihre At-Zeichen. Deutlich zu erkennen der oftmals zu hohe Stand. Konsequent gestaltete At-Zeichen sind grün markiert, eher inkonsequente rot.

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Das At in der Zukunft

Erfreulich ist, dass bei Typedesignern inzwischen ein Umdenken stattfindet und das @ als ein dem a entsprungenes Zeichen wahrgenommen wird, das eben deshalb auch ähnlich aussehen muss. Stand und Duktus des At harmonieren bei vielen Schriften die innerhalb der letzten 10 Jahren entstanden sind mit den übrigen Zeichen einer Schrift. So ist bei neueren Schriften erkennbar, dass @ und a miteinander verwandt sind.

Schade, dass in Ausnahmefällen wie beispielsweise der FF DIN das konsequent gestaltete Symbol nicht akzeptiert wird und Gestalter stattdessen lieber das »falsches« At-Zeichen verwenden, das einer älteren Version der Schrift entstammt und in seinem Charakter leider überhaupt nicht den anderen Zeichen entspricht (Beide DIN-Schriften sind im Bild links zu sehen). Für das ältere Zeichen spricht lediglich, dass es eventuell vom Betrachter schneller erfasst werden kann. Solche Konflikte wie bei der DIN stellen aber sicher die Ausnahme dar und glücklicherweise sind korrekte konsequente Gestaltung sowie Lesbarkeit des At meist miteinander vereinbar.

Es wird sicher noch etwas Zeit vergehen, bis auch oft verwendete ältere Schriften sinnvoll um individuelle At-Zeichen »nachgerüstet« werden, weshalb der Gestalter nach wie vor selber eingreifen muss, um zumindest den Stand des Symbols zu korrigieren.

Wer dies in InDesign automatisieren möchte, kann ein Zeichenformat anlegen, das einen entsprechenden Versatz beinhaltet ([Neues] Zeichenformat > Erweiterte Zeichenformate > Grundlinienversatz). Dieses Zeichenformat kann via GREP in ein Absatzformat integrieren werden, wodurch alle vorkommenden At-Zeichen automatisch mit dem Zeichenformat versehen werden, das den Stand korrigiert ([Neues] Absatzformat > GREP-Stil > Neuer GREP-Stil. Dann Zeichenformat auswählen und im Eingabefeld ein @ eintragen).

Man darf sich also freuen, dass aktuelle Schriften das At-Zeichen nicht länger vernachlässigen und es als vollwertiges Zeichen behandeln.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch historische Schriften, die nach wie vor viel Verwendung finden (wie beispielsweise Helvetica, Futura oder Garamond), irgendwann einmal durch passende At-Zeichen nachgerüstet werden.

Und sollte sich eines Tages jemand wie auch beim ß an der Unvollständigkeit des Versal-Alphabets stören, wird es vielleicht auch noch ein Versal-At geben. Einfach nur der Vollständigkeit wegen.

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