Verfasst am 30. 3. 2016, aktualisiert am 17. 11. 2016.

Kann eine Druckerei umweltfreundlich sein?

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Aufgaben und Herausforderungen für Druckereien im Umgang mit der Umwelt

Schon längst ist der Klimawandel ein Thema, das den Alltag prägt. Alle Medien berichten davon, beinahe täglich erreicht uns eine neue Meldung über den Klimawandel und diverse Naturkatastrophen. Das Klima verändert sich und der Mensch ist mitunter dafür verantwortlich, darin sind sich Wissenschaftler inzwischen einig. Die Streitfrage ist nur, wie sehr der Mensch das Klima beeinflusst und wie das wieder aufgehalten werden kann.

Ein wichtiger Faktor ist dabei der vom Menschen verursachte CO2-Ausstoß. Zusammen mit anderen Treibhausgasen erwärmt Kohlenstoffdioxid die bodennahe Luft global von durchschnittlich –18 °C auf +15 °C und macht damit die Erde bewohnbar. Kurz gesagt ist CO2 prinzipiell nützlich. Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der CO2-Anteil allerdings bis heute an und ist inzwischen vermutlich der höchste seit 15–20 Millionen Jahren.

Die künftige Reduzierung des übermäßigen CO2-Ausstoßes brachte bis heute verschiedenste Lösungsansätze hervor, von der Reduzierung durch das Pflanzen von Bäumen bis hin zur Speicherung großer Mengen in unterirdischen CO2-Tanks.

So kommt es, dass inzwischen viele produzierende Unternehmen und deren Kunden Wert darauf legen, genaue Informationen über die CO2-Emission ihres Auftrages – oder eben der allgemeinen Umweltbelastung – zu erhalten, nicht zuletzt auch für die eigene Klimabilanz.

Druckereien haben bei diesem Thema eine besondere Verantwortung, da sie mit Papier arbeiten, welches ja aus Holz hergestellt wird. Hier ist ein verantwortungsvolles Handeln erforderlich.

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Zertifikate für den Umweltschutz in der Forstwirtschaft

FSC®

Der Forest Stewardship Council – kurz FSC – wurde 1993 gegründet und schuf das erste System zur Gewährleistung und Zertifizierung einer vorbildlichen Forstwirtschaft.

Das FSC-System hat die Zertifizierung und Sicherung einer vorbildlichen Waldnutzung zum Ziel. Das beinhaltet zum Beispiel die Vermeidung umstrittener Holzquellen, also Holz aus illegalen Gebieten, aus Regionen mit Menschenrechtsverletzungen oder sozialen Konflikten, von gentechnisch manipulierten Bäumen oder aus schützenswerten Wäldern.

Die Zertifizierung von Forstbetrieben erfolgt durch zehn Prinzipien, die auf nationaler Ebene durch eine Vielzahl von Indikatoren ergänzt werden können.

Diese umfassen unter anderem die Einhaltung der Forstgesetze und FSC-Prinzipien, die Wahrung der Rechte indigener Völker, die langfristige Erhaltung und Vergrößerung des sozialen und ökonomischen Wohlergehens der lokalen Bevölkerung und der im Wald Beschäftigten. Die Prinzipien erfordern die Erstellung und Umsetzung eines Bewirtschaftungsplanes, Kontrolle durch entsprechende Dokumentation und Bewertung der Nachhaltigkeit, sowie langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte, die klar definiert, dokumentiert und rechtlich verankert sind. Des weiteren können Plantagen als Ergänzung zu naturnaheren Bewirtschaftungsformen soziale und ökonomische Vorteile liefern. Außerdem mindern sie den Druck auf sogenannte Naturwälder.

Der FSC zählt inzwischen mehr als 500 Mitglieder weltweit und hat bis zum Jahr 2010 über 120 Millionen Hektar Wald zertifiziert. Das entspricht einer Gesamtfläche von 1,335 Millionen Quadratkilometer. In Deutschland wurden bis dahin 755 739 Hektar zertifiziert, was in etwa 7 % der Waldoberfläche in Deutschland entspricht. Ziel des FSC ist, langfristig mindestens 30 % aller bewirtschafteten Wälder weltweit unter nachhaltige Bewirtschaftung zu stellen.

Produkte, die komplett oder zu einem Teil aus FSC-Holz bestehen, dürfen mit einem entsprechenden FSC-Zeichen versehen werden. Dabei unterscheidet man in drei Kategorien: Produkte aus 100 % FSC-Holz, Produkte mit einem Anteil von FSC-Holz und Produkte aus Recyclingmaterial. Der prozentuale Anteil des zertifizierten Holzes kann dann mit angegeben werden.

Die Verwendung von Papier aus ­FSC-zertifiziertem Holz bedeutet für Druckereien eine separate Lagerung, gesonderte Verwaltung der Rechnungen und Formulare, sowie eine spezielle ­Behandlung im Qualitätsmanagement.

Weitere Informationen über den Forest Stewardship Council:
www.fsc-deutschland.de

PEFC

Das Program for the Endorsement of Forest Certification Schemes – kurz PEFC – ist die weltweit größte Organisation zur Sicherstellung und kontinuierlichen Verbesserung einer nachhaltigen Waldwirtschaft unter Gewährleistung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards. Gegründet 1990, beteiligen sich bei PEFC verschiedene Umweltorganisationen, Sozialverbände, Holzwirtschaft und andere Vereinigungen. Die Zertifizierungsstandards der PEFC basieren auf den Beschlüssen von 37 Nationen zum Schutz der Wälder. Aktuell sind 31 Länder aus 5 Kontinenten Mitglied bei PEFC.

Zertifiziert sind zur Zeit weltweit 229 Millionen Hektar Wald, was 2,29 Millionen Quadratkilometer entspricht. In Deutschland sind bereits 7,3 Millionen Hektar, also zwei Drittel des Waldes, zertifiziert; in Österreich ist seit 2002 mit 3,9 Millionen Hektar die gesamte Waldfläche zertifiziert.

Die PEFC-Standards entsprechen einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Dazu zählen die Erhaltung standortgerechter Mischbestände, der Erhalt eines entsprechenden Totholzvorrates, die Schonung des Bodens beim Einsatz von Maschinen, die Unterlassung von Kahlschlägen, Rücksichtnahme auf Biotope, Schutzgebiete sowie gefährtete Tier- und Pflanzenarten und die Vermeidung von Pestiziden.

Bei PEFC findet eine regionale Zertifizierung statt. Dieser Ansatz bringt Kosteneffizienz und eignet sich daher auch für kleinere Forstbetriebe, wie sie in Europa typisch sind.

Das PEFC-Logo darf nur verwendet werden, wenn mindestens 70 % des in einem Produkt enthaltenen Holzes nach PEFC zertifiziert wurden. Für den nicht zertifizierten Teil des Holzes muss nachgewiesen werden, dass es nicht aus umstrittenen Holzquellen stammt, zum Beispiel aus illegalem Einschlag.

Wie bei FSC ist auch bei PEFC eine gesonderte Behandlung des Papiers und der entsprechenden Formulare erforderlich. Printprodukte mit FSC- oder PEFC-Zertifikat garantieren also, dass alle an der Produktion beteiligten Unternehmen nach jeweiligem Standard zertifiziert wurden.

Weitere Informationen über das Program for the Endorsement of Forest Certification Schemes:
www.pefc.de

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Welche Möglichkeiten gibt es für Druckereien?

Das Umweltmanagementsystem ISO 14001

Das Zertifizierungssystem ISO 14001 dient dazu, produzierenden Unternehmern ein System zu geben, mit dem der betriebsinterne Umweltschutz verbessert werden kann. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der dem Erreichen des selbst festgelegten Zieles dient. Dieser Prozess beruht auf der Methode Planen-Ausführen-Kontrollieren-Verbessern. ISO 14001 bestätigt damit die Existenz einer umwelttauglichen Organisation, stellt aber keine absoluten Anforderungen an das Unternehmen. Das System ist speziell für Betriebe gedacht, die bereits über ein Qualitätsmanagement verfügen und dies dann um ein Umweltqualitätsmanagement erweitern wollen. Damit können bei allen Aufgaben und Entscheidungen die jeweiligen Umweltaspekte berücksichtigt werden.

Der Betrieb muss dazu seine Umweltaspekte ermitteln, also Faktoren, mit denen er die Umwelt verändern kann, so zum Beispiel die Emission in die Luft oder Einleitungen in Gewässer. Schließlich erfolgt eine Zielsetzung und die Erstellung eines Programms, das zum Erreichen des Zieles dient. Es beschreibt die Verantwortlichkeit, Befugnisse, den Zeitrahmen und entsprechende Mittel. Personen mit umweltrelevanten Tätigkeiten müssen sich dieser bewusst sein und erhalten entsprechende Schulungen. Neben der Festlegung von Verfahren für betriebsinterne und betriebsexterne Kommunikation werden Notfallsituationen ermittelt und Strategien zur Begrenzung der Auswirkungen auf die Umwelt und zur künftigen Vorsorge entwickelt. Das Managementsystem wird regelmäßig von der Unternehmensleitung auf Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit geprüft.

Nach Aufbau des Umweltmanagementsystems wird dieses durch eine zugelassene Zertifizierungsstelle geprüft und zertifiziert.

Durch die Auswertung des Systems wird schließlich ein neues Ziel gesetzt, womit sich der Kreis der Methode Planen-Ausführen-Kontrollieren-Verbessern schließt.

In einer Druckerei gibt es dazu viele Möglichkeiten. So könnte zum Beispiel durch eine Umstellung der Beleuchtung der Stromverbrauch deutlich reduziert werden. Auch durch ein Wechseln oder Umrüsten der benötigten Chemikalien wie beispielsweise der Druckplattenentwickler in der Druckvorstufe, könnte ein Verbraucht deutlich gesenkt werden.

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Kompensierung der CO2-Emission

Die Klimainitiative des Bundesverband Druck und Medien e.V. unterstützt die Transparentmachung der Emission gegenüber Auftraggebern und Endkunden und bietet die Möglichkeit zur Kompensierung des CO2-Ausstoßes. Dies wird im Wesentlichen in drei Schritten erreicht.

Mit dem eigens entwickelten webbasierenden CO2-Rechner wird ermittelt, welche Emission ein Druckauftrag verursacht. Der Rechner erfasst dafür alle relevanten Daten der eingesetzten Maschinen, Geräte und Materialien und erfüllt darüber hinaus alle Anforderungen der Ökobilanznormen DIN/ISO 14040 und 14044.

Der Erwerb eines entsprechenden Zertifikates dient unmittelbar der Finanzierung eines Umweltprojektes, durch das künftig CO2-Emission vermieten werden kann. Beispiel dafür ist das Windenergieprojekt in der türkischen Region. Unweit von Istanbul entstehen hier zwanzig Windenergieanlagen mit einer Leistung von 30 MW. Die lokale Bevölkerung wird bei der Realisierung eingebunden, nicht zuletzt durch die Entstehung von mindestens dreißig Arbeitsplätzen. Dabei wird die Türkei insgesamt unterstützt, das Stromnetz weiter auf erneuerbare Energien auszuweiten. Das Projekt entspricht dem weltweit strengsten Standard für Emissionsminderungsprojekte, dem sogenannten »Gold Standard«. Der besonders strenge Standard soll garantieren, dass das jeweilige Projekt über die Minderung der CO2-Emission hinaus positive Auswirkungen für Mensch und Umwelt hat. Druckprodukte, für die entsprechende Zertifikate erworben wurden, dürfen dann mit dem Zeichen »Print-CO2-kompensiert« versehen werden.

Zur Vermeidung der CO2-Emission gehören auch Schulungsmaßnahmen und Beratung, sowie eine Überprüfung der eigenen Energieeffizienz.

Weitere Informationen über den Bundesverband Druck und Medien e.V.:
www.bvdm-online.de

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